Russisches Experimentierfeld

Ursprünglich veröffentlicht auf Ukraine-Nachrichten.de
Quelle: Lewyj Bereg (lb.ua) 3.6.2014 – Übersetzung von Anja Blume

Es gibt diesen deutschen Film „Das Experiment“. Ziemlich alt, er kam noch im Jahr 2000 auf die Bildschirme. Die Situation ist folgende: Eine Gruppe von Menschen hat sich freiwillig bereit erklärt, an einem sozialen Experiment teilzunehmen und kommt für zwei Wochen ins Gefängnis. Ein Teil der Gruppe spielte die Rolle der Wachen, der andere Teil die der Gefangenen. Alles, was verlangt wurde war, zwei Wochen unter den normalen Bedingungen eines deutschen Gefängnisses zu überleben und dafür Geld zu kriegen. Übrigens, das was zu Beginn wie ein unschuldiges Vergnügen erschien, verkehrte sich bald in eine Tragödie. Die Teilnehmer des Experiments, die in ihrer Rolle aufgingen, fingen an verrückt zu werden. Das Ganze endete mit Quälereien, Schlägereien und dem Verderben einiger Menschen.

Die Donezker Republik, das ist auch ein soziales Experiment. Ich bin überzeugt, dass das, was heute im Osten der Ukraine vor sich geht, in Kürze zu einem reichen Thema für wissenschaftliche Forschungsarbeiten und Dissertationen wird. Für junge Wissenschaftler der Ukraine ist es eine Sünde, sich über unzureichendes Material zu beklagen. Die Donezker Volksrepublik ist das „russische Experimentierfeld“ von dem der unvergessliche Jegor Letow (Sänger der Gruppe Grashdanskaja Oborona aus Omsk, 1964-2008) sang. Ein Truppenübungsplatz für PR-Leute, Politologen, Soziologen, Krieger. Ein Laboratorium des Kreml.

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Foto: Maks Lewin

Das Experiment, das im Donbass von den Russen durchgeführt wird, ist nicht so schockierend, wie bei den medizinischen Experimenten des traurig berühmten Doktor Mengele, aber in Wahrheit nicht weniger unmenschlich. Vor den Augen der gesamten Welt leben Menschen, die auf einem abgesonderten Territorium leben, in einer neuen, ihnen zugewiesenen Rolle auf und verlieren den Verstand. Diese bestätigen in der Realität, die von den Kreml-PR-Leuten geschaffenen Szenarien, die lange vor dem Beginn des Bürgerkrieges (Antiterroroperation?) in der Ukraine geschrieben wurden.

Weiterlesen auf Ukraine-Nachrichten.de (noch 700 Worte)


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„Unmenschliche“ Übersetzungsschwierigkeiten

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Quelle: 
Olha Woroschbyt, tyzhden.ua, 18.6.2014 (Übersetzung)

Wie ein falsch übersetztes Wort aus einer Ansprache des ukrainischen Ministerpräsidenten zu einem Geschenk für die russische Propaganda im Westen wurde

Während sich einige internationale Massenmedien Gedanken über die Herkunft des Schimpfwortes machen, das dem ukrainischen Außenminister vor der russischen Botschaft in der Ukraine entglitten ist, ruhen sich ihre deutschen Kollegen nicht aus, sondern führen sich Fehler in übersetzten Ansprachen des ukrainischen Ministerpräsidenten zu Gemüte. Die Übersetzungsfehler in der Ansprache sind sogar für nicht ausgebildete Philologen offensichtlich und gelinde gesagt verbesserungsbedürftig.

Eine falsche Übersetzung des Wortes „Unmenschen“ ins Englische aus einer Ansprache des ukrainischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk hat eine Welle von Vorwürfen in Deutschland ausgelöst, die ukrainische Regierung sei faschistisch. In der ersten Version der Übersetzung wurde das ukrainische Wort „Unmenschen“ ins Englische als „subhumans“ übersetzt, was „Untermenschen“ bedeutet und eine konkrete historische Bedeutung hat. Gerade dieser Begriff war prägend für die nationalsozialistische Propaganda und wurde zu den Menschen verwendet, die als Nichtarier im Dritten Reich galten wie Juden, Roma, Sinti und Slawen. In der zweiten Version der Übersetzung wurde das Wort durch das englische Wort „inhumans“ ersetzt, was allerdings das Problem nicht beseitigt hat.

Für die russische Propaganda in Deutschland, die dank der antiamerikanischen Stimmungen in der Gesellschaft und fieberhafter Suche mancher nach Faschisten in der Ukraine eine gute Grundlage hat, war dieser Lapsus nichts anderes als Geschenk. Bis heute werden heftige Diskussionen über den angeblichen Gebrauch des Wortes „Untermenschen“ geführt. Die Journalisten Benjamin Bidder und Moritz Gathmann z.B. haben sogar unter anderem dieses Thema in ihrem Artikel für den SPIEGEL ONLINE aufgegriffen, dabei aber vorsichtshalber  darauf hingewiesen, dass der Übersetzungsfehler später korrigiert wurde. Die Tatsache allerdings, dass dieses Wort im Original auf Ukrainisch fehlte, haben sie vergessen zu erwähnen. Die beiden Journalisten können Russisch und es hätte ihnen keine Schwierigkeiten bereitet, das Wort zu überprüfen, da dieses Wort auf Russisch und Ukrainisch gleich geschrieben wird. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Moritz Gathmann einst bei der propagandistischen deutschsprachigen Zeitung „Russland heute“ gearbeitet hat, die vom Kreml finanziert wird.

Der Knaller an dieser Geschichte ist allerdings nicht das. Die Übersetzung ins Englische war von sehr schlechter Qualität. Darüber schreibt bereits Oleksiy Obolensky [ein bekannter ukr. Aktivist] auf Facebook.  Die Qualität dieser Übersetzung kann man den unten angeführten Screenshots entnehmen.

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Korrekturen der übersetzten Ansprache des Ministerpräsidenten ins Englische, die von zwei Übersetzern unabhängig voneinander durchgeführt wurden.

Das ist nicht der erste Lapsus, den die Mitarbeiter des ukrainischen Ministerpräsidenten Jazenjuk, der sich selbst durchaus durch Professionalität auszeichnet, begangen haben. Der erste Skandal war, dass der schweizerische Präsident Didier Burkhalter unter der dänischen Fahne empfangen wurde. Was das Übersetzen betrifft, so wäre es empfehlenswert, wenn das ukrainische Außenministerium, das sich unter Leitung des Ministers befindet, der flüssig Englisch spricht und mit seinem Kollegen Jazenjuk eng zusammenarbeitet, hochqualifizierte Übersetzungsfachkräfte anstellt. Continue reading

Wer wird zum Lugansker Kadyrow?

333Ursprünglich veröffentlicht auf Ukraine-Nachrichten.de, Quelle: Realnaja Gaseta
11.6.2014

Das Gebiet Lugansk verwandelt sich langsam in ein Schlachtfeld, auf dem nicht nur die Anhänger der Lugansker Volksrepublik gegen die ukrainische Armee kämpfen, sondern auch die Kriegsherren untereinander nicht einig sind. Der Gewinner erhält eine vorübergehende Kontrolle über die Region, zugleich eine wertvolle Chance – aufgrund der Kurzlebigkeit der «Lugansker Republik» – sich in der ukrainischen Politik legalisieren zu können.

Waräger statt Einheimische

Das Gebiet Lugansk hat, in gewissem Sinne, viel Glück, das klingt für viele Leser erst mal verrückt, die in der Nacht gezwungen sind, das Heulen der Sirenen und Gewehrfeuer zu hören. Dennoch ist unsere Region im Gegensatz zum Nachbarn Donezk in geringerem Ausmaße vom Feuer des Krieges erfasst. Nicht zuletzt wird das Gebiet weitgehend von den Bewohnern der Gegend kontrolliert, für welche viel auf dem Spiel steht. Die Taktik «der verbrannten Erde» ist hier nicht akzeptabel.

In Donezk und Slawjansk sind Einheimische tatsächlich aus der lokalen Führung entfernt worden. Slawjansks «Volksbürgermeister» Ponomarjow wurde durch den russischen Hobby-Weißgardisten Igor Strelkow-Girkin ersetzt und in Donezk selbst wurden der selbstausgerufene Vorsitzende der Donezker Volksrepublik Dennis Puschilin und der «Volksgouverneur» Pawel Gubarjew in Verlaufe eines unmerklichen Palastputschs von dem russischen Polittechnologen Alexander Borodaj ersetzt. Borodaj kontrolliert vollständig das Bataillon «Wostok», das zum Kern des Widerstands gegen Kiew in der Region Donezk geworden ist.

Weiterlesen auf: http://ukraine-nachrichten.de/wer-wird-zum-lugansker-kadyrow_4019_meinungen-analysen (500 Worte verbleiben) 

Provokationen, Stellvertreter und Glaubhafte Abstreitbarkeit

Russlands ferngesteuerter Krieg in der Ukraine

Quelle: Pierre Vaux, James Miller, Catherine A. Fitzpatrick für interpretermag.com.
16.6.2014. Übersetzung aus dem Englischen

Von Russland unterstützte Separatisten in der Ukraine. Photo von Reuters.

Russlands Militär- und Geheimdienstsektor ist seit Monaten aktiv am Konflikt in der Ostukraine beteiligt, diese Position wird von den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und den ukrainischen Behörden selbst vertreten. Doch Beweise, welche die russische Regierung endgültig der direkten Einmischung auf der anderen Seite der Grenze überführen, sind schwerer zu sammeln, da Wladimir Putin sich entschieden hat – zumindest vorerst – einen “besonderen Krieg” auf dem Gebiet seines Nachbarn zu führen, einen Krieg, der alle Kennzeichen einer Maskirovka trägt. Maskirovka ist ein in der sowjetischen Militärdoktrin etabliertes Prinzip der Tarnung, der Leugnung und der Täuschung. Die wichtigsten Merkmale der Maskirovka sind die Aufrechterhaltung der “Glaubhaften Abstreitbarkeit“, Verschleierung von Kräften und Desinformation sowie Täusch- oder Dummy-Strukturen, um die Fähigkeit des Gegners zu reduzieren, Vorhersagen zu treffen oder auf Aktionen zu reagieren.

Das Schlüsselelement in der aktuellen Krise in der Ukraine war die Fähigkeit des Kremls, trotz einer offenen Aggression, Einmischung und Invasion alles glaubhaft abstreiten zu können. Ohne diese Aufmachung wären die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen, von denen Russlands Einfluss abhängig ist, gefährdet. Dieser Einfluss ist sehr wichtig, insbesondere mit Blick auf die europäischen Staaten, die sehr lange zögern würden, ihre Geschäftsinteressen und Gasversorgung zu opfern.

Die Beziehungen wären einem viel stärkeren Risiko ausgesetzt gewesen, wenn Russland mit markierten Militäreinheiten in die Ukraine eingedrungen wäre. Indem die Krim von nicht markierten Truppen besetzt wurde, und die Präsenz russischer Streitkräfte bis zum Ende der Vorführung abgestritten wurde, schaffte sich Wladimir Putin den nötigen Raum, um Gesicht zu wahren. Kein Staatschef war bereit, Verluste in Kauf zu nehmen, wenn es nicht unbedingt sein musste. Die Invasion der Krim wurde von europäischen und amerikanischen Diplomaten noch als mögliches Zukunftsszenario behandelt, als schon lange klar war dass Russland eine militärische Invasion von souveränem europäischen Territorium begonnen hatte – und das war es schon im Laufe der ersten 24 Stunden nach Ankunft der “kleinen grünen Männchen” an den Flughäfen und VerwaltungsgebäudenContinue reading

“Ukraine, vergib uns!”

Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe (Übersetzung)
17.6.2014

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“Ukraine, vergib uns!” [Foto: Ukrainska Pravda]

Trotz der unermüdlichen Propaganda und der Hasstiraden in den meisten russischen Medien sind bei weitem nicht alle Russen davon eingenommen. Ukrinform berichtet, dass sich am 15. Juni, einem Tag der Trauer in der Ukraine, rund 20 Russen vor der ukrainischen Botschaft in Moskau versammelt haben, um Blumen zum Gedenken an die 49 Männer niederzulegen, deren Flugzeug von Terroristen der durch den Kreml unterstützten selbsternannten Luhansker Volksrepublik abgeschossen wurde. Die Demonstranten waren in bestickten Hemden gekleidet und hielten ein Plakat mit der Aufschrift “Ukraine, vergib uns!”

Ukrinform berichtete später, dass am Nachmittag einige russische Bürger mit einem Plakat [zur Botschaft] kamen und um “Vergebung für Putin baten. Bitte akzeptieren Sie unsere Anteilnahme und vergeben Sie uns für unsere verführten Menschen.” Es war unterzeichnet: “Die Familie Sergejew und echte Bürger der Russischen Föderation”. Continue reading

Journalist und Bürgeraktivist in Kyiw entführt und getötet

17.06.14 (Übersetzung – Charkiwer Gruppe zum Schutz der Menschenrechte)

10489831_1499823926897915_4742355656496634060_nDie Redaktion des Informationalsbulletins “Kamenyar-info” berichtet, dass der für sie arbeitende Journalist Wolodymyr Marzyschewskyj am 11. Juni aus dem Maidan-Pressezentrum in Kyiw von Männern in Tarnuniformen entführt wurde. Er wurde am Abend im Stadtbezirk Beresnjaki aufgefunden. Er war brutal geschlagen worden, mit Schäden an der Lunge und hatte acht gebrochene Rippen.

Seine Kollegen sagten gegenüber Telekritika, dass er noch bei Bewusstsein war, jedoch nichts sagen konnte über diejenigen, die ihn entführt und geschlagen hatten.

Wolodymyr Marzyschewskyj starb am Samstagmorgen, den 14. Juni. Er war ein Bürgeraktivist, der bei der Verteidigung des Hostyny Dvir beteiligt war, ein Wahrzeichen im Zentrum von Kyiw, das das frühere Regime von der Liste der Denkmäler unter staatlichem Schutz gestrichen hatte (mehr Details hier: http://khpg.org/index.php?id=1369581519).

Er hatte an der Orangenen Revolution sowie an den Protesten im Jahr 2012 gegen das äußerst umstrittene Sprachgesetz teilgenommen. Er war Mitglied der “Union der Erfinder und Innovatoren” und anderer zivilgesellschaftlichen Organisationen und sowie Major der “Ukrainischen Registrierten Kosaken” [einer NGO].

Quelle: http://khpg.org/index.php?id=1402922234

Über 4000 Kämpfer sind in der Region Luhansk aktiv – Dmitrij Tymtschuk

16.6.2014 – Quelle: liga.net, Übersetzung aus dem Russischen

Dmitrij Tymtschuk ist ukrainischer Militärexperte und Blogger, Reserveoffizier der ukrainischen Armee und Koordinator der Gruppe “Informationswiderstand”

0ba6998d93de72f0a41dd62cdbecd316Der aktive “Kern” der lokalen Gruppen, die auf eine oder andere Weise mit der terroristischen Organisation LVR (Luhansker Volksrepublik) interagieren, zählt insgesamt bis zu 2000 Mann.

Auf dem Territorium der Region Luhansk wurde die Tätigkeit terroristischer Gruppen, bestehend aus lokalen Einwohnern unter der Führung pro-russisch gesinnter ukrainischer Staatsbürger und Angehörigen der kriminellen Szene, aber auch aus Russland eingeschleuste Söldnereinheiten registriert. Darüber berichtet der Leiter der Gruppe “Informationswiderstand” Dmytro Tymtschuk auf seiner Facebook Seite.

Was die “lokalen” Terrorgruppen betrifft, so sind es Gruppierungen aus 20 bis 200 Menschen. Der aktive “Kern” solcher lokalen Gruppen in der Luhansker Region, die auf eine oder andere Weise mit der terroristischen Organisation LVR (Luhansker Volksrepublik) interagieren, zählt insgesamt bis zu 2000 Mann”,  schrieb Tymtschuk.

Nach seinen Informationen beträgt die Gesamtzahl der Terroristen, die in der Luhansker Region tätig sind, über 4000 Menschen. “Mit Hilfe finanzieller Mittel (die den Kämpfern allerorts zur Zeit zu knapp werden) können die Führer ihre Gruppierungen vergrößern, indem sie lokale Bürger rekrutieren. Die Gruppierungen sind mit leichten Schusswaffen bewaffnet. Am häufigsten werden diese Gruppen in den besetzten Verwaltungsgebäuden, die sich in den Zentren der Ortschaften befinden, stationiert.” Continue reading