Anton Shekhovtsov: Italienische Faschisten von Millennium verbünden sich mit pro-russischen Rechtsextremisten

Quelle: Anton Shekhovtsov’s Blog, 11.6.2014
Übersetzung aus dem Englischen

Nachdem bereits polnische Faschisten die Ostukraine besuchten, um pro-russische Rechtsextreme der “Donezker Volksrepublik” zu unterstützen, haben nun italienische Faschisten von der Millennium-Organisation den anti-ukrainischen Terroristen Gefolgschaft gelobt.

Laut Pawel Gubarew, einem der Anführer der pro-russischen Extremisten und ehemaligem Mitglied der Neonazi-Gruppe Russische Nationale Einheit, sind “Antifaschisten” der italienischen Organisation Millennium nach Donetsk gekommen und werden die “Streitkräfte” der “Donezker Volksrepublik” unter der Leitung von Igor Strelkow verstärken.

Orazio Maria Gnerre (ganz links) und Pawel Gubarew (ganz rechts), Donezk, Juni 2014
Pawel Gubarew (Mitte) und Orazio Maria Gnerre (ganz rechts), Donezk, Juni 2014
Orazio Gnerre Maria (Mitte) und Denis Puschilin, der selbst erklärte Vorsitzende des Obersten Sowjets der “Donezker Volksrepublik”, Donezk, Juni 2014

Was die Ideologie angeht, ist die Millennium-Organisation das Gegenteil von Antifaschismus. Ihre Ideologie ist in der Nähe zum neo-faschistischen Eurasianismus des russischen Faschisten Aleksandr Dugin angesiedelt, mit dem Millennium schon seit ein paar Jahren aktiv kooperiert.

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Ulitzkaja: Die russischen Massenmedien haben den Weltrekord im Lügen geknackt

Quelle: RT/InoTV (Russisch) auf Basis eines Artikels der Le Monde (Französisch)
Englische Übersetzung durch Euromaidan PR
11.6.2014

In einem Interview mit der Le Monde sagte die bekannte russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja, dass die russischen Massenmedien das kollektive Bewusstsein der Russen manipulieren und dabei bereits den Weltrekord im Lügen geknackt hätten. Der Schriftstellerin zufolge würden die Fernsehsender Material aus Syrien und Venezuela als Ereignisse in Donezk ausgeben. Die russische Intelligenzija könne nichts tun, da die Meinungsfreiheit in Russland unterdrückt werde.

In einem Interview mit der französischen Zeitung Le Monde erklärte die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja, warum sie in ihrem Buch “Grünes Zelt” zum Thema der sowjetischen Dissidenten zurückkehrt. Ihrer Meinung nach betrachtet die derzeitige russische Regierung diese “als Dämonen.” Die Regierung würde alles für die Wiederherstellung ideologischer Grundsätze tun, diskreditiert dabei aber die Dissidentenbewegung.

Ulitzkaja zufolge wurde der Name des Akademikers Andrej Sacharow bewusst aus der Geschichte des Landes getilgt und Alexandr Solzhenitsin würde von der Regierung nur zur Verfolgung persönlicher Interessen erwähnt. Die Autorin erinnert daran, dass die Dissidenten niemals an die Macht kommen wollten. Nach dem Fall der Sowjetunion zeigte man mit den Fingern auf sie, und machten ihnen den Vorwurf, sie seien für die gescheiterte Demokratisierung des Staates verantwortlich. Ulitzkaja hält dies für das Ergebnis von Propaganda.
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Die Medschlis der Krimtataren ist besorgt über das Verschwinden von Menschen auf der Krim und bittet um Unterstützung durch internationale Menschenrechtsorganisationen

(Quelle: ru.krymr.com; 13.6.2014; Übersetzung)

6EE98D50-E6C4-46A1-9A38-F193158C679F_w268_r1_cx0_cy2_cw49Die Medschlis der Krim-Tataren hat sich an mehrere internationale Organisationen gewandt, da zahlreiche Menschen auf der Halbinsel verschwunden sind. 

Insbesondere wurde ein Aufruf mit der Überschrift “Verhinderung von Fällen von Entführungen und Verschwindenlassen auf der Krim”, das die Medschlis bei einem ihrer Treffen der angenommen hat, an die Organisation der Vereinten Nationen für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an eine Reihe von internationalen Menschenrechtsorganisationen gesendet.

Nach dem Appell sieht sich die Gesellschaft auf der Krim in den letzten Monaten mit einem sehr gefährlichen und bisher für die Krim untypischen Phänomen konfrontiert: Entführungen. Die Medschlis führen das Beispiel von Reschat Ametows Entführung von Anfang März an. Ametow, Vater von drei kleinen Kindern, wurde später mit Spuren brutaler Folterungen tot aufgefunden. Continue reading

Antrittsrede des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko

UN
Ursprünglich erschienen auf ukraine-nachrichten.de
Übersetzerin: Ljudmyla Melnyk
12.6.2014
 
 
 
 
Nachfolgend wird die Antrittsrede von Präsident Petro Poroschenko am 7. Juni 2014 vor der Werchowna Rada in ihrem Wortlaut dokumentiert.

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Ukraine

Foto: Anastasia Sirotkina / AP

Liebe Landsleute von Lwiw bis Donezk und von Tschernihiw bis Sewastopol,

wir, die Ukrainer, sind „das lebendige Licht in der Familie europäischer Völker und aktive Gestalter der europäischen Geschichte“, ‒ sagte Iwan Franko.

„Mit Füßen und Herzen in der Ukraine sein, gedanklich aber in Europa“, war das Gebot Mychajlo Drahomanows.

Die Heimkehr der Ukraine nach Europa, wo ihre Wurzeln liegen, war der sehnliche Wunsch vieler Generationen. Die Diktatur, die in den letzten Jahren in der Ukraine herrschte, wollte uns dieser Perspektive berauben – und das Volk erhob sich. Die erfolgreiche Revolution der Würde hat nicht nur die Regierung abgesetzt. Das ganze Land hat sich verändert. Die Menschen sind anders geworden. Es ist an der Zeit für neue positive und nachhaltige Veränderungen. Um diese Veränderungen zu bewirken, brauchen wir in erster Linie Frieden, Sicherheit und Einheit.

Zum Hemmnis der europäischen Modernisierung der Ukraine, vor der sich enorme Möglichkeiten nach dem Zusammenbruch der Tyrannei eröffneten, wurde jedoch ein echter geplanter und angezettelter Krieg im ukrainischen Donbass.

Viele sind bis heute der Meinung, dass die Unabhängigkeit der Ukraine uns mühelos zugefallen ist. Das ist aber nicht wahr! Für unsere Unabhängigkeit, für unsere Souveränität haben ganze Generationen ukrainischer Patrioten gekämpft. Für sie fielen die Helden der Himmlischen Hundertschaft auf dem Majdan. Für sie sterben ukrainische Soldaten und friedliche Einwohner. Daher bitte ich Sie sich zu einer Schweigeminute zum Gedenken an alle, die ihr Leben für die Freiheit und Unabhängigkeit der Ukraine geopfert haben, zu erheben.

(Schweigeminute)

Ich trete den Posten des Präsidenten an, um die Einheit der Ukraine aufrechtzuerhalten, sie zu stärken und den anhaltenden Frieden und die Sicherheit sicherzustellen. Ich weiß, dass das Wichtigste, wonach sich heute das Volk der Ukraine sehnt, Frieden ist. Das Staatsoberhaupt hat ein breites Instrumentarium zur Sicherung der territorialen Integrität der Ukraine und des Lebens ihrer Bürger. An Befugnissen und Entschlossenheit wird es mir nicht fehlen. Ich will keinen Krieg und ich will auch keine Rache, obgleich die großen Opfer, die das ukrainische Volk brachte augenscheinlich sind. Ich strebe nach Frieden und ich werde die Einheit der Ukraine erringen, daher beginne ich meine Arbeit mit dem Vorschlag eines Friedensplans.

Ich fordere ausdrücklich alle dazu auf, die illegal ihre Waffen ergriffen haben, sie niederzulegen. Von meiner Seite garantiere ich erstens, dass alle, die kein Blut ukrainischer Soldaten und Zivilisten an ihren Händen haben, von krimineller Verantwortung befreit werden. Dies betrifft auch diejenigen, die den Terrorismus nicht finanziell unterstützt haben. Zweitens, garantiere ich einen Korridor für Söldner aus Russland, die nach Hause zurückkehren wollen. Drittens, ich garantiere einen friedlichen Dialog. Es ist aber klar, dass keine Rede von einem Dialog mit «Strelok», «Abwehr» oder «Satan» (A. d. Ü.: Spitznahmen der Separatistenanführer) oder anderem Abschaum sein kann.

Es geht um einen Dialog mit den friedlichen Bürgern der Ukraine und auch mit Bürgern, die andere Ansichten als ich in Bezug auf die Zukunft der Ukraine haben. Heute möchte ich mich an die Landsleute im Gebiet Donezk und Luhansk wenden. (Wechsel ins Russische)

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Landsleute,

viele von Ihnen haben bereits die „Vorzüge“ der Herrschaft der Terroristen am eigenen Leib erfahren, die außer Plünderungen und Erniedrigungen der Einwohner, die ohnehin krisengeschwächte Wirtschaft der Region an den Rand der völligen Katastrophe geführt haben. Wir werden Sie aber unter keinen Umständen in der Not alleine lassen.

Die Präsidentschaftswahlen haben mit dem Mythos über die angeblich illegitime Kyjiwer Regierung völlig aufgeräumt. Dieser Mythos wurde durch die russische Propaganda und die Clique von Janukowytsch, der den ganzen Donbass verraten und so ausgeplündert hat, wie kein anderes Gebiet in der Ukraine, geschaffen und pervertiert. Im Gebiet Donezk war er 17 Jahre ununterbrochen an der Macht und jetzt finanziert er die Terroristen. Gerade Janukowytsch trägt die ganze Verantwortung für die politische, soziale und wirtschaftliche Lage der Region. Er trägt die Verantwortung für Arbeitslosigkeit, Armut und Flüchtlinge. Er trägt die Verantwortung für die getöteten Bürger und für die Tränen der Mütter. Continue reading

Kann die Ukraine im Informationskrieg mit Russland gewinnen?

Mini-Nachrichtenagenturen entstehen in Kiew, um dem Kreml etwas entgegenzusetzen
Peter Pomerantsev, 11. Juni 2014, “The Atlantic” (Übersetzung)

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Der gestürzte Präsident Wiktor Janukowytsch im ukrainischen Fernsehen, Februar 2014 (Alex Kuzmin / Reuters)

Wladimir Putin kann mit der Ukraine an der militärischen Front Katz und Maus spielen, aber Russland hat schon seit langem die großen Bataillone im internationalen Informationskrieg mobilisiert: der Kreml investiert Hunderte von Millionen Dollar für englischsprachigen Rundfunk, geistige Beeinflusser, PR-Firmen und Kampagnen der Kulturdiplomatie.

Die Ukraine hat unterdessen international weder Stimme noch Bild. Die ukrainische Schriftstellerin Oksana Sabuschko nahm dieses Dilemma 1996 in ihrem Roman “Fieldwork in Ukrainian Sex” zum Thema, worin die Heldin versucht, auf Konferenzen in der ganzen Welt die Nation zu fördern, nur um immer wieder gefragt zu werden: “Ukraine? Wo ist das?” Selbst diejenigen, die schon von der Ukraine gehört haben, haben kaum Assoziationen zu dem Land, außer über Prostitution, Gangster, ab und zu einen Sport-Star und nun seine Revolution und den anhaltenden Konflikt mit Moskau. In dieses Informationsvakuum kann die russische Propaganda ihre Botschaften platzieren, die den geopolitischen Bedürfnissen des Kreml entsprechen. Und das bedeutet im Moment, dass man die Ukrainer als Faschisten diffamiert oder die Idee verbreitet, dass die Ukraine gar kein echtes Land sei und damit eine Invasion ihr gerechtes Schicksal sei.

Was kann die Ukraine also tun, um sich dagegen zu wehren? Wie kann man einen modernen Informationskrieg gegen einen weit mächtigeren Feind gewinnen? Als ich vor kurzem in die Ukraine reiste, um zunächst vor Studenten Vorträge über die russische Propaganda zu halten und dann Mitarbeiter der ukrainischen Medien zu treffen, hörte ich immer wieder das neue Modewort “Informationshoheit”, obwohl anscheinend jeder eine andere Vorstellung davon hatte, was genau es zur Folge haben werde.

Euromaidan PR (PR steht für Public Responsibility = öffentliche Verantwortung) wurde während der Proteste, durch die der ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch aus dem Amt gejagt wurde, gegründet und besteht aus etwa 200 englischsprachigen Freiwilligen in der Ukraine und im Ausland. Diese Freiwilligen, die von Geologen bis zum Restaurantbesitzer reichen, entlarven die russische Desinformation auf Facebook (24.000 Anhänger), Twitter (35.000 Anhänger), und dem Blog der Organisation (13.000 Aufrufe pro Tag). Im März zum Beispiel verbreitete die Gruppe Fotos, die nach Angaben der russischen Medien Schlangen von Flüchtlingen aus der Ukraine nach Russland zeigten. Die Bilder zeigten allerdings tatsächlich den Alltagsverkehr an der Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Continue reading

Nach Ansicht von Polen muss Russland den Zustrom von Kämpfern in die Ukraine bremsen

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Radoslaw Sikorski, Sergej Lawrow, Frank-Walter Steinmeier

(pravda.com.ua, eurointegration.com.ua – 10.6.2014 – Übersetzung)

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Polens glaubt, dass die Zeit für einen Dialog zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation gekommen ist, die Ukraine aber ein Recht auf Gewaltanwendung gegen bewaffnete Kämpfer hat.

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski teilte seine Ansichten während einer Pressekonferenz zum Abschluss des trilateralen Treffens der Außenminister von Deutschland, Polen und Russland in Sankt Petersburg am 10. Juni mit, berichtet die Ukrainska Prawda unter Berufung UNIAN.

“Polen unterstützt den Dialog und setzt sich für eine politische Lösung ein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir glauben, dass die Ukraine, die ein souveränes Land ist, kein Recht auf den Einsatz von Gewalt gegen illegale bewaffnete Kräfte hat, die die Situation im Land zu destabilisieren versuchen,” sagte er.

“Wenn Russland wirklich eine Deeskalation der Krise in der Ukraine erreichen will, dann sollte es vor allem den Zustrom von Separatisten und die Lieferungen militärischer Ausrüstung über die russisch-ukrainische Grenze eindämmen”, sagte Sikorski, wie die Gazeta Wyborcza zitiert.

Laut Sikorski müssen die Fragen hinsichtlich der Kompetenzen lokaler Behörden und die Frage der Sprachenrechte in der Ukraine mit Methoden geklärt werden, die mit der Verfassung der Ukraine vereinbar sind, und nicht mit Hilfe von “Raketen und Maschinengewehren, wie die Separatisten es versuchen”.

“Ich glaube, dass die Zeit für den Dialog gekommen ist,” sagte er und fügte hinzu, dass die Wahl des neuen Präsidenten der Ukraine eine Lösung für die Situation erleichtern wird und gleichzeitig die richtigen Bedingungen für neue Verhandlungen zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine geschaffen hat. Continue reading

Welche Sprache ist hier gefährdet? Die Geschichte der ukrainischen Sprache: Eine Chronik der Repressalien der letzten 400 Jahre.

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Vorwort des Übersetzers

Gewiss war die ukrainische Sprache lange nicht die einzige im eurasischen Raum, die Verbote und Unterdrückungen erleiden musste. Generell war die Unterdrückung von Kultur und Sprache ethnischer Minderheiten eine bewährte Methode, um große Imperien zusammenzuhalten und den Drang nach Unabhängigkeit der jeweiligen Minderheiten zu zügeln. Wenn wir beispielsweise die sowjetische Zeit herausgreifen, so wurden während dieser die meisten Sprachen der im sowjetischen Raum lebenden ethnischen Gruppen zugunsten der russischen Sprache stark eingeschränkt – dies spiegelt sich auch zum Teil in dieser Chronik wider.

Jedoch ist die Kenntnis dieser Geschichte – der Geschichte der Verbote und Einschränkungen der ukrainischen Sprache – enorm wichtig, um den gegenwärtigen ukrainisch-russischen Konflikt besser verstehen zu können.

Die Geschichte der ukrainischen Sprache: Eine Chronik der Repressalien der letzten 400 Jahre

1622 – Anordnung des Zaren Michail auf Bitte des Moskauer Patriarchen Filaret, alle Ausgaben des in der Ukraine gedruckten “lehrreichen Evangeliums” von K. Stawrowezkij zu verbrennen.
1690 – Verurteilung und Anathema seitens der Kirche des Russischen Patriarchats von “Kyiws neuen Büchern” von P. Mohyla, K. Stawrowezkij, S. Polozkij, L. Baranowitsch, A. Radziwilowskij und anderen.
1696 – Beschluss des polnischen Sejms über die Einführung der polnischen Sprache in den Gerichten und Institutionen der Rechtsufrigen Ukraine (Territorium der Ukraine westlich des Flusses Dnipro, Anm. d. Übers.) Continue reading

FRACHT 200

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Von Maria Turtschenkowa, Bildjournalistin, veröffentlicht am 2.6.2014 auf der Webseite des russischen Hörfunksenders Echo Moskwy 
(Übersetzung aus dem Englischen und Russischen)

 
An der Grenze in Uspenka in der Luhansker Region ist es ruhig.

Es gibt keinen Verkehr in Richtung Russland, und jetzt gerade inspizieren die Grenzschutzbeamten, die vor fünf Minuten noch gelangweilt waren, mit großer Überraschung einen Sattelschlepper, ein LKW mit aufgemaltem Roten Kreuz und der Zahl “200” auf den Seiten. Sie gehen langsam um ihn herum, fotografieren aus verschiedenen Richtungen mit ihren Handys, während die Zollbeamten die Papiere für die Fracht überprüfen. Die Grenzabfertigung geht förmlich weiter, aber es herrscht ein Gefühl der Spannung vor, weil niemand versteht, wo diese Fracht herkam und wer genau sie auf den Weg gebracht hat. Der Fahrer, Slawa, kann nichts erklären, gar nichts. An diesem Morgen hatten ihn “Menschen, denen er nichts ablehnen konnte”, aufgefordert, mit dem LKW nach Russland zu fahren, man sagte ihm nur, dass es wichtig war.

Ich werfe einen Blick über die Schulter eines Offiziers auf ein Papier: “Rechtsmedizinisches Amt der Region Donezk. 29.5.2014. Dieses Papier bestätigt, dass weder die Leiche von Herrn Schdanovitsch, Sergej Borissowitsch, geb. 1966, noch der Sarg Bestandteile enthalten, deren Transport über die Staatsgrenze der Ukraine verboten ist.”

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Es gibt einunddreißig solche Zertifikate, eines für jeden der Särge, die vor zwei Stunden in diesem Kühlwagen aus Donezk losgeschickt wurden.

Eine Kolonne von drei Fahrzeugen (ein Auto mit Polizeibeamten, der LKW selbst und ein weiteres Auto – von uns Journalisten) hatte die Stadt kurz vor Abend verlassen, und als wir die Grenze erreichten, war es bereits dunkel. Die Gesichter der Grenzsoldaten flimmern in den Taschenlampen, und keiner will reden, jeder wartet nur darauf, dass die Kontrolle beendet wird, wobei sie den LKW nicht aus den Augen lassen.

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Fracht 200.

Im Inneren des LKW sind 31 Särge mit Aufklebern der Donezker Volksrepublik [DVR], auf denen die Namen russischer Bürger stehen, die am 26. Mai in Donezk in der Schlacht um den Flughafen gestorben waren. Gerüchte über die Beteiligung von Russen an den Kämpfen in der Region Donezk kursieren schon seit Anfang der Feindseligkeiten im April, aber niemand hat sie jemals in der Wirklichkeit gesehen.

Die Schlacht auf dem Flughafen Donezk (der Flughafen wird immer noch von der ukrainischen Seite kontrolliert, obwohl die Stadt das Zentrum der selbsternannten DVR ist) war bisher die tragischste im gesamten Verlauf der Antiterroroperation im Donbass. Die genaue Zahl der Todesopfer ist noch unbekannt, aber nach verschiedenen Quellen sind es mindestens 50 Personen. Continue reading

Nemzow bringt den FSB in Bedrängnis, er fordert eine Erklärung für die “Fracht 200”

384005190Quelle: tsn.ua, 9.6.2014
Zusammenfassende Übersetzung

Der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow hat sich an den Russischen Föderalen Sicherheitsdienst (FSB) gewandt. Er fordert aufzuklären, wie es geschehen konnte, dass russische Bürger im Donbass kämpfen und als “Fracht 200” in Särgen nach Hause zurückkommen.

“Wenn diese Menschen keine Militärangehörigen und keine Mitarbeiter des Innenministeriums sind, dann sind es kriminelle Gruppierungen. Richtig? Wenn es kriminelle Gruppierungen sind, dann sollte der Russische Föderale Sicherheitsdienst wegen drei Straftaten ermitteln: 1.- rechtswidriger Waffenbesitz; 2.- Waffenschmuggel; 3.- illegaler Grenzübertritt.” – so Nemzow.

Nemzow ist überzeugt, dass auch wenn der Sicherheitsdienst seine Anfrage ignorieren sollte, wird dies ein Beweis dafür sein, dass Russland an dem Waffen- und Terroristennachschub in die Ukraine beteiligt ist.

“Wenn sie die Strafverfahren eröffnen, dann werden wir sie aufmerksam verfolgen. Wenn sie keine Anklage erheben, dann bedeutet es, dass sie Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes waren, die berechtigt waren, Waffen zu tragen, oder sie gehörten zu russischen Militäreinheiten,” sagte Nemzow.

Quelle und ukrainisches Video: http://tsn.ua/svit/nyemcov-zagnav-fsb-u-pastku-vimagayuchi-poyasnen-schodo-vantazhu-200-353674.html


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Trotz gegenteiliger Versicherungen: Nachschub-Konvoi für die Terroristen überquert russisch-ukrainische Grenze

Gestern war Putin noch Friedensengel in der Normandie, heute Nacht durchbrechen seine Panzerfahrzeuge die Grenze. Die Gruppe “Informationswiderstand” berichtet:

Der stellvertretende Kommandeur des Bataillons “Asow” Jaroslaw Gontschar sagte, dass heute [Samstag, 7.6.2014] um 4 Uhr morgens eine Kolonne von sechs gepanzerten Mannschaftstransportern und sechs KAMAZ-Lastwagen sowie ein Tankwagen mit einem großen Geschütz die russisch-ukrainische Grenze durchbrach. Die Kolonne kam aus der russischen Stadt Taganrog. Ein weiterer Teil der Kolonne von vier gepanzerten Mannschaftstransportern und vier KAMAZ-LKW ist immer noch in Russland und wird vermutlich später durchzubrechen versuchen.

Nach Angaben von Gontschar fuhren die LKWs in die Stadt Tores und die Mannschaftstransporter in die Stadt Snischne, wo ein neues Zentrum des Widerstandes gegen ukrainische Truppen aufgebaut wird.

Quellen: